Tourikram und Herzschmerz

Wir lagerten zwei Tage vor den Stadtmauern Marrakeschs (wo zur Zeit übrigens gerade der Grand Prix 2019 der International Judo Federation stattfindet – Preisgeld: 100.000 $), einfach weil’s doch trotz allen Trubels und aller Anmache gerade in den Souks sehr interessant ist. Allzu zart besaitet sollte man allerdings nicht sein, wenn man das Abenteuer Souks in Angriff nimmt – vor allem, wenn man tiefer eindringt als es Touristen im Normalfall tun. Dann kommt man nämlich in Gegenden, in denen auch Otto Normalverbraucher (sprich finanziell nicht so gut gestellte Marokkaner) einkaufen und dann steht man unter Umständen plötzlich vor einem Stand, der ausschließlich Innereien von wem auch immer verkauft.

Wem’s schmeckt ……

Dafür findet man andererseits auch wieder schöne Graffiti,

kann Handwerken bei der Arbeit zuschauen

oder der Blick  wird auf kunstvoll montierte Satellitenantennen gelenkt.

Auf dem Weg zurück zum Djeema el-Fna findet man dann auch wieder sehr nett anzusehende Lädchen, in denen auch der Normaltourist – sprich wir – gerne einkaufen geht.

Am nächsten Morgen nach einem letzten Blick von unserem Übernachtungsplatz auf den hohen Atlas

ging’s dann weiter in Richtung Essaouira, einer Hafenstadt mit rund 85.000 Einwohnern an der marokkanischen Atlantikküste, von der sich hartnäckig das Gerücht hält, Janis Joplin und Jimmy Hendrix hätten hier schon Konzerte gespielt, nur keiner weiß so recht, wann und wo und wenn man dann genauer nachfragt, dann hat wohl nur eine(r) von beiden hier mal eventuell vielleicht einen Kaffee getrunken. Nun ja. Offenbar hat der Geist Jimmy Hendrix oder Janis Joplins doch recht viele Freaks dazu bewogen, sich hier niederzulassen. Das ist ganz nett anzusehen (die vielen „Freaks“), allerdings haben die es auch nicht zu sehr viel mehr gebracht, als die Stadt zu einem Sammelsurium touristischer Lädchen auszubauen. Wo man in Marrakesch noch sicher sein konnte, dass auch Einheimische in den Souks einkaufen, ist das in Essaouira bestimmt nicht der Fall. Man kann auch hier nicht oder nur sehr wenig handeln. Nun ist aber Handeln den Marokkanern angeboren wie die Höcker einem Kamel und wenn ein Marokkaner nicht handelt, dann ist eben was faul.

Wir haben trotz allem die obligatorische Touristentour durch die Gassen von Essaouira absolviert, Christina hat sich sogar zwei Hosen gekauft (nicht verhandelbar), zu denen sie natürlich NICHT die passenden Oberteile hat (was ein Glück). Die kriegen wir ja vielleicht später bei den Berbern. Und wenn nicht, gibt’s dort wenigstens Teppiche. Die kann man auch immer brauchen.

Hier ein paar Impressionen vom Fischmarkt in Essaouira

Abends sind wir dann von Essaouira nach Sidi Kaouki geflüchtet, einem ganz kleinen Ort ca. 20km südlich der Stadt. Hier gibt’s ein paar kleine Campingplätze, ein Restaurant und kilometerlange einsame Strände. Kurz vorm Sonnenuntergang hatte ich noch die Gelegenheit, mit Heinz, einem Schweizer, auf seinem Quad über die Dünen zu brettern – eine recht aufregende Sache bei Tempo 75.

Und ganz zuletzt habe ich das Herz einer jungen Dame gebrochen – diese Eselin hier war am Anfang noch recht scheu, wahrscheinlich, weil Esel hier generell ziemlich brutal behandelt werden. Irgendwann hat sie allerdings Zutrauen zu mir gefasst und sich lange streicheln lassen. Und dann ist sie mir bis zum Eingang des Zeltplatzes nachgelaufen und hat mir dort traurig nachgeschaut 😢

Meine junge Freundin

4 Gedanken zu „Tourikram und Herzschmerz“

  1. Die wichtigste Regel auf Marokko-Reisen: Alle Esel immer einpacken! ❤
    Wie immer ein schöner Post mit tollen Bildern, die Lust auf mehr machen. Mein Favorit: Das Kamel, dem Beine aus dem Hals wachsen 😀
    HEL ❤

  2. Hallo das sind wieder tolle Bilder und ein einfallsreicher schöner Bericht. Die arme kleine Eselin. Sie kann einem Leid tun. Aber sie ist nicht die einzigste Eselin die einem dort wohl leid tun kann. Das Souk ist unwahrscheinlich aufregend. Habt ihr dort vielleicht irgendwo Königin Lalla Salma getroffen. Sie wird ja gesucht oder vermisst. Zumindest hier. Also dann weiterhin viel Freude und ich freue mich auf neue Berichte und Bilder tschüss.
    LG
    Vera

  3. Tolle Fotos und interessanter Bericht.
    Wenn ich das lese und anschaue, weiss ich wieder warum ich so oft da unten war.
    Weiterhin ne schöne stressfreie Reise,
    Tommy

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