Ride to Agadir

We rode in the morning
Casablanca to the west
On the Atlas mountain foothills
Leading down to Marrakesh

(Mike Batt)

Der Titel passt nicht so ganz, weil die Jungs aus dem Lied von Mike Batt ja von Süden hochgeritten kamen, aber die Gegend stimmt und das Lied gefällt mir gut 🙂

Und bevor ich weiterschreibe: lieben Dank an alle, die den Blog lesen und vor allem auch an die, die nette Kommentare dazu schreiben. Ich antworte nur nicht jedem einzelnen, weil wir meistens eine sehr schlechte Internet-Verbindung haben und wenn überhaupt, dann nur Abends, wenn ich schreibe und Mails lese. Von daher – wir haben Euch alle in unseren Herzen und freuen uns über jedes Feedback, aber seid bitte nicht traurig, wenn wir Euch nicht allen einzeln antworten.

Aber jetzt ……Mittwoch ging’s weiter nach Moulay Bousselham, einer recht netten Kleinstadt am Rande einer riesigen Lagune, die für ihre Vielfalt von hier überwinternden Vögeln bekannt ist. Hier kann man, wenn das Wetter denn mitspielt, mit dem Boot rausfahren und alle möglichen Flamingos und sonstiges Getiers beobachten.

Bei uns hat das Wetter nicht mitgespielt, daher sind wir einfach mal etwas länger mit Juli spazieren gegangen und auf dem hinteren Teil des riesigen Campingplatzes über eine Herde Schafe samt Schäfer – Abdullah – gestolpert. Abdullah war sehr redselig und wir haben nichts von dem verstanden, was er uns erzählt hat. Aber nett war’s trotzdem. Deswegen haben wir ein paar Bilder zusammen mit ihm gemacht. Das hat er so ernst genommen, dass er dafür sogar seine Jacke gewechselt hat.

Abends waren wir schön Fisch essen und am nächsten Tag nach einem kurzen Strandspaziergang mit Juli ging’s weiter Richtung Mohammedia.

Der Weg dorthin war langweilig – 200 km Autobahn, nur ab und zu mal lustige Verkehrsschilder

What the f*ck …… ?

oder erschreckende Vorort-Siedlungen (hier kurz vor Skhirat),  in denen Leute hausen, die nichts besitzen außer Satelliten-Antennen.

Skhirat samt Satelliten-Antennen

Wir sind dann am frühen Nachmittag in Mohammedia  gelandet, einem potthässlichen Ort, an dem wie verrückt Zweitwohnungen für reiche Marokkaner aus dem Süden gebaut werden. Der Ort hat zumindest auf den ersten Blick nichts zu bieten außer einer gigantischen Küstenlinie, die leider völlig verdreckt ist, und zwei hübschen Mädels an der Promenade.

Mohammedia – geiler Strand, aber völlig verdreckt
Die Strandschönheiten von Mohammedia

Heute Morgen ging’s dann los in Richtung Marrakesch. Wir hatten vor, Helga Heidrich vom Förderverein SOS Animaux und ihrem Sohn Marc einen Besuch abzustatten. Die beiden betreiben etwa 20 km entfernt von Marrakesch ein Tierheim / Tierauffangstation / Gnadenhof für malträtierte Tiere in ganz Marokko. Ich war mit Helga bereits vorher in Kontakt getreten und hatte ihr angekündigt, dass wir mal auf einen Besuch vorbeikommen würden, um uns von ihrem Einsatz für die Tiere in Marokko ein Bild zu machen.

Man muss dazu wissen, dass Tiere in Marokko entweder als unrein gelten (Hunde, Schweine) oder aber als Arbeitstiere unter unsagbaren Zuständen gehalten werden. Esel werden vor Lastkarren gespannt und bis zur totalen Erschöpfung geprügelt und Pferden (speziell für Ölmühlen) werden die Augen mit Säure verätzt, damit sie nicht sehen, dass sie den ganzen Tag im Kreis rumlaufen müssen. Hunde werden getreten oder mit Steinen beworfen und Affen müssen für fragwürdige Spielchen mit gedankenlosen Touristen herhalten. Wenn dann die Tiere halbtot sind, werden sie im besten Fall an Helga und Marc abgegeben.

Ich erspare mir Fotos vom Tierhof, nur soviel: Helga und ihr Sohn leisten zusammen mit ein oder zwei marokkanischen Mitarbeitern Gigantisches. Ich kann Euch nur bitten, wenn Ihr ein paar Euro übrig habt, schaut Euch ihre Seite im Internet an und spendet das Geld direkt an den Verein. Es kommt definitiv dort an und es werden keine Verwaltungskosten abgezogen.

Nach unserer Stipvisite bei SOS Animaux sind wir dann gen Marrakesch gefahren und stehen jetzt direkt vor den Toren der Stadt  auf der Oliveraie de Bab Djedid. Am frühen Abend waren wir auf dem Platz der Gehenkten (Djeema el-Fna) Fisch essen und sind danach in die Souks abgetaucht – der Konsum rief! Für diejenigen, die mit Marrakesch und dem Djeema el-Fna und den Souks wenig oder nichts anfangen können: es handelt sich hierbei um einen riesigen Platz inmitten Marrakeschs, auf dem ab dem Mittag alle Arten von Aktivitäten stattfinden, die man sich nur vorstellen kann: Schlangenbeschwörer sind dort zu finden, Leute mit dressierten Berberaffen (siehe Absatz über SOS Animaux), Geschichtenerzähler, Fakire, Boxkämpfer, Musikgruppen, jede Menge Garküchen und tausende von Menschen. Das ganze Treiben geht bis in die Nacht und morgens vor Sonnenaufgang wird der ganze Platz gefegt und kein Krümel Dreck ist mehr zu finden.

Die Souks sind ein Labyrinth von kleinen Gassen, aus denen man sich sehr schwer wieder rausfindet und all diese Gassen sind voll von allen Arten von Geschäften, welche Klamotten anbieten, Schmuck, Essgeschirr, lebende Schildkröten, pharmazeutisches Gedöns, alles. Und das Witzige ist, hat man sich einmal auf einen Deal mit einem der dort ansässigen Händler eingelassen und bezahlt, kommt man nicht etwa aus dem Laden wieder raus – nein, der Händler verspricht, einem einen schnelleren Weg aus dem Gewirr zu zeigen und schwupps – ist man bei irgendeinem seiner Verwandten in einem anderen Laden gelandet.

Wir haben’s denn doch noch geschafft, dem Trubel zu entkommen und sitzen jetzt im Womo und schreiben Blog.

Gute Nacht!

7 Gedanken zu „Ride to Agadir“

  1. Das war ein spannender vielseitiger humorvoller Bericht. So ein Souk ist überwältigend für Augen Ohren und Nase.
    Mit dem Verkehrsschild kann man ja ganz viel anfangen.
    Die Zeilen über die Tiere machen betroffen.
    Wie klappt es mit den Mitfahrern. Ihr habt doch welche oder?
    Trifft man sich da mal zum Essen und tauscht sich aus?
    Weiter so und ich freue mich auf neue Bilder und Berichte.
    LG Vera

  2. Mensch, das sind ganz tolle Bilder. ❤ Richtig schön! Und von euren Erzählungen bekomme sogar ich ein bisschen Lust auf Marokko. 🙂

    Hier in Hamburg stürmt und regnet es nur und Strandschönheiten gibt es auch keine. Nur HSV Hooligans, die ca. 200 Mann stark von doppelt so viel Polizei vor meinem Haus rumstehen und rumbrüllen, wie sch***e sie St. Pauli finden. Morgen ist das Stadt-Derby und alle drehen ein bisschen durch. Naja.

    Ich freue mich auf den nächsten Bericht und Fotos und hoffe, dass ihr weiterhin eine tolle Zeit habt. Hab euch lieb! ❤

  3. Die Bilder sind faszinierend. Und die Mädels am Strand von Mohammedia ebenso schön.
    Das mit den Mitreisenden würde mich auch interessieren.
    LG von uns.

  4. Übrigens bin ich gerade in Ketsch. Vera und ich sind außerdem sehr gespannt auf Christinas neue Hosen. Vielleicht haben wir ja passende Oberteile. Und für Michjael bitte einen fliegenden Teppich mitbringen. Sein größter Wunsch.

  5. Hallo 🙂 Durch den Link bei deinem Post auf Facebook in der Wild Camping Gruppe bin ich erst jetzt auf deinen Blog aufmerksam geworden – und lese nun mit Begeisterung eure Reisebeschreibung! Marrakesch ist ein Wahnsinn, eine völlig andere Welt – wir waren bereits 3x dort. Und zweimal war Rundreise durch Marokko mit dem Leihauto angesagt – leider damals ohne Camping, sondern in den klassischen Riads (aber die haben ja definitiv auch ihren Charme!) Nun denn, ich lese dann mal weiter und träume von endloser Freiheit! Herzliche Grüße!

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